Was arbeiten wir im Weinberg
Einblick in unsere Arbeit
1. Der erste Schritt — Pflanzen
Der Grundstein für die kommenden 25 Jahre wird meist im April gepflanzt. Die Auswahl der Rebsorte bestimmt Standort, Witterung, Boden, Klimaaussichten und Kundennachfrage. Die freien Weinbergsböden werden gemeinsam mit dem Agrar-Service-Fleischmann vorbereitet. Die amerikanische Wurzelunterlage, gepfropft von einem befreundeten Rebveredler, wird mit Hilfe des Lohnunternehmens Bibinger aus Großkarlbach eingepflanzt.
Die Jungfeldpflege nimmt viel liebe- und mühevolle Handarbeit in Anspruch: wachsende Ruten werden auf einen geraden Stamm ausgebrochen und regelmäßig angebunden. Der Boden wird mit Hacke und Löffelschar von Beikräutern freigehalten, um Wasserkonkurrenz an der Rebwurzel zu vermeiden. Der Drahtrahmen wird eingezogen, um das Höhenwachstum bis zum Herbst zu gewährleisten.
2. Winter — Schnitt und Ruhe
Nach dem Blattabwurf und dem ersten Frost werden alle Reben geschnitten. Der Zucker hat sich in Stärke umgewandelt und lagert geschützt in den Wurzeln und im Stammholz. Eine Ertragsrute pro Stock bleibt stehen und wird von Ranken und Stilgerüst freigestellt. Das abgeschnittene Altholz wird in der Anlage gehäckselt und dient als Nährstoff. Zum Winterende wird die Rute gebogen oder — je nach Qualität und Sorte — gerade um den Draht gewickelt.
3. Frühling — Austrieb und Blüte
Ab April beginnen die Reben zu „bluten": Die Stärke wandelt sich zurück in Zucker und drückt den Rebensaft in die Triebspitzen. Von der Knospe bis zum Merkblatt-Stadium entfalten sich die Blätter, nach der Rebblüte lassen die Gescheine erste Prognosen über Menge und Qualität erahnen.
Die wachsenden Triebe werden regelmäßig von Hand in den Drahtrahmen gesteckt. Pflanzenschutz wird je nach Wetter und Empfehlung des DLR eingesetzt. In jeder zweiten Reihe säen wir eine bienenfreundliche Blühmischung ein.
4. Sommer — Qualitätsarbeit
Der erste Laubschnitt vom Frühling wird meist Anfang August wiederholt. Grüne Traubenhenkel wurden bereits im Frühling zur Mengenregulierung entfernt — jetzt liegt der Fokus auf Gesundheit und Qualität. Die Laubwand wird in der Traubenzone entblättert, um Durchzug und Abtrocknung zu gewährleisten. Zu dichte Traubenhenkel werden halbiert, damit die verbleibenden Trauben locker reifen können.
Um den 10. August nimmt die Traubenfärbung täglich zu und die Feldarbeiten sind bis zur Lese weitestgehend abgeschlossen.
5. Herbst — Die Weinlese
Die physiologische Reife wird regelmäßig sensorisch geprüft und der Lesetermin individuell festgelegt. Ab dem dritten Jahr ernten wir mit einem Vollernter und entrappen die Trauben meist noch im Weinberg, sodass nur Einzelbeeren in den Keller gelangen.
Die Erntereihenfolge folgt einem bewährten Muster: Sektgrundweine, Spätburgunder für Blanc de Noir und Portugieser für Weißherbst kommen zuerst. Es folgen Dornfelder, die Burgundersorten, Riesling sowie Morio Muskat und Gewürztraminer. Sauvignon Blanc und Muskateller ernten wir je nach gewünschter Stilistik zu ganz eigenen Zeitpunkten.
Jeder Herbst bleibt individuell — Sonneneinstrahlung, Wetterumschwünge und schwankende Temperaturen bestimmen Tempo und Pausen. Das Arbeiten mit der Natur verlangt Erfahrung und Spontanität zugleich, und genau das bereitet uns jedes Jahr aufs Neue große Vorfreude.